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Pfaffenhofen: Einsatz für die Wurzelbürste

„Oha, der sieht aber noch stark aus. Bleib dran!!!“

Sonntagvormittag, halb 12 in Deutschland, genauer gesagt an der letzten Steigung in der letzten Runde beim Nikolauscrosslauf im oberbayerischen Pfaffenhofen... Der Krampus persönlich steht an diesem Anstieg und feuert jeden an, der dort noch laufend vorbei kommt. Das „bleib dran!“ gilt seinem Vereinskollegen. Und der „noch starke“ bin ich.

Danke für die Blumen! Sekundenbruchteile später ziehe ich – zu meiner eigenen Überraschung – ausgerechnet am steilsten Stück der Strecke nun einen Zwischenspurt an, der mir locker die Ehrenmitgliedschaft im sauerländischen Gebirgsverein bringen würde. Mein Kontrahent ist scheinbar so perplex, dass der Abstand schnell auf zwanzig, dreißig Meter anwächst. Gut, oben angekommen krieg ich zwar so gut wie keine Luft mehr, aber es reicht, bis zum Zieleinlauf rette ich mich noch irgendwie...

Aber eigentlich wäre ich ja heute in Tübingen um zusammen mit Dieter Baumann und ca. 1998 anderen Läufern durch die dortigen Wälder zu rennen. Nun waren die letzten Trainingswochen aber scheinbar etwas zu hart und so meldete sich dann in der vorletzten Woche doch glatt mal wieder meine rechte (Psycho-) Wade mit den üblichen Beschwerden. Damit dann diesen knochenharten Halbmarathon mit ca. 350 Höhenmetern laufen? Es erschien mir zu gefährlich. Überlegung hin, Überlegung her, hin, her, hin und wieder her... irgendwann hab ich den Lauf dann gecancelt – und was meint Ihr ist dann passiert? Genau, die Wade war am Tag drauf wieder absolut beschwerdefrei. Kopfschüttelnd hab ich es einfach akzeptiert.

Ausweichbeschäftigung an diesem Sonntag? Ein langer Lauf? Och nö, davon gibt es in diesem Winter noch so viele. Vielleicht ein Crosslauf? Da habe ich nie irgendwelche Muskelprobleme und einen Heidenspaß macht es auch noch. Zufällig finde ich da doch tatsächlich einen Lauf in meiner Nähe, den Nikolauslauf in Pfaffenhofen. Also fröhlich die Spikes ins Auto geworfen und ab die Post.

Selbstverständlich habe ich meine Mitläufer aus der näheren Umgebung zu diesem Event eingeladen. Immerhin waren die Ausreden akzeptabel, Knieprobleme bei Moister Maddin, Uli schwankte zwischen Plätzchenbacken und der mentalen Vorbereitung auf den Ismaninger Tunnelblick, Tom hingegen macht wahrscheinlich derzeit schon sein Geheimratstraining, um beim Schwarzwaldmarathon 2008 unter 3 Stunden zu laufen (um dann nachträglich aufgrund der im Auto vergessenen Startnummer disqualifiziert zu werden) und Schorschi musste leider krankheitshalber passen. Letzteres ist besonders schade, denn wir hätten bei diesem Rennen noch die alljährliche Südstadtmeisterschaft im Crosslauf austragen können.

Die Ausschreibung vermeldet: Spikes möglich. Eine unverzüglichst durchgeführte Streckeninspektion im Start-/Zielbereich ergibt dann allerdings, dass die 15er oder 12er-Nägel heute nicht wirklich Sinn machen würden. Denn alles was ich so beim Warmlaufen unter die Füße bekomme, benötigt keine Spikes. Feste, steinige oder knochentrockene Waldwege sowie zwei kurze Asphaltstücke. Ok, ok...

Erfreulicherweise hat sich im Übrigen der Winter heute aus dem Land der Bayern zwischenzeitlich verabschiedet, 8 Grad, frischer Wind und manchmal etwas Regen, also absolut ideal. Noch ein bisschen Warmlaufen und dann geht’s auch schon los, vielleicht so 80 – 100 Teilnehmer in unserem Lauf. Krampus persönlich schickt die Meute auf die Piste und die ersten Meter sind dann schon etwas eng und es bedarf erheblicher Konzentration, um hier nicht gleich aufs Näschen zu fallen. Wie bereits bekannt, beginnt der heutige Wettstreit mit einem festen Waldweg.

Zu laufen sind vier Runden a 1800 Meter und je 40 Höhenmeter. Die erste der beiden Steigungen kommt schnell, raus aus dem Wald, scharfe Kurve und bergan bei vollem Gegenwind raus aufs Feld. Uaah! Pfützen und Dreck, aber noch gut zu laufen. Gut 300 Meter später eine schicke Spitzkehre und der Rückenwind treibt uns leicht bergab zurück über den Acker. Nur der Weg ist uns dabei abhanden gekommen. Denn diese Matschpampe wäre auch mit 15er-Nägeln nicht besser zu bewältigen, eieieiei... gut, dass ich mir die Schuhe fest zugebunden habe. Am Waldrand ist dann Schluss mit dem Geschliddere, eine kurze Welle, und dann rechts runter in den Wald, laut Streckenkarte 13% Gefälle, Matsch, Wurzeln, Dreck – und die umliegende Läufergemeinde donnert halsbrecherisch an mir vorbei...

Kurze Doppelkurve und dann etwas gemäßigter bergab wieder am Wald entlang. Unten wieder eine 90-Grad-Kurve, nun wieder bergan, noch eine Kurve und dann kommt die harte Steigung, auf der die meisten der 40 Höhenmeter (bei 12% Steigung) wieder hochgewackelt werden müssen. Mittendrin steht der Krampus und feuert die Leute an... Oben angekommen noch ein paar flache Meter auf höchst unebenen Geläuf und dann nach weiteren Kurven zurück zum Sportgelände und dem dortigen Ziel.

Erste Runde, glatt 8 Minuten, also eines kann man schon jetzt sagen: die Strecke ist selektiv! Das hätte ich jetzt nicht unbedingt so erwartet, aber es macht diesen Lauf so richtig sympathisch. Genauso wie das ganze Drumherum, schön organisiert mit viel Engagement. Mein Puls hingegen bewegt sich schon ordentlich auf Betriebsniveau als es auf die zweite Runde geht. Hier gilt es jetzt erst einmal, die möglichen Gegner genau zu beobachten. Laufen ist jetzt gut möglich, das Feld ist schon weit auseinander. Runde 2 ist vorbei und ich bin schon fix und foxi, aber wenigstens habe ich meine Platzierung so einigermaßen gehalten.

Runde 3 ist oft die Schwierigste, diesmal jedoch nicht. Man gewöhnt sich an die komplizierten Abschnitte, weiß genau, in welchem Teil des Ackers man am wenigsten im Morast untergeht und auch das Bergablaufen in der Harakirischlucht ist mittlerweile Routine. Und da mich hier bergab niemand mehr überholt, gehe ich mal davon aus, dass die Anderen auch schon völlig am Ende sind.

Runde 4, es wird einsam, zum letzten Mal über den Acker, alles mittlerweile doch etwas langsamer aber ich halte meinen Rang. Und kann dann zum Schluss, wie eingangs schon erwähnt, noch einen Platz gut machen. Ab ins Ziel, irgendwas mit 33 Minuten, schön war's, lustig war's – und am Nachmittag durfte ich dann erstmal mit der Wurzelbürste den halben Acker von meinen Schuhen kratzen.

Also entgegen der ersten Vermutung ein echter Cross. Schön organisiert und sicherlich auch in den nächsten Jahren bestimmt häufiger in meinem Laufterminkalender...


2.12.07 18:53


Regensburg: im neuen Blog

Habe ein kleines Redesign gemacht und das Blog zu Wordpress verlagert.

Alles Neue (u.a. den heutigen Bericht aus Regensburg) gibt es ab sofort unter:

http://nachderkurve.wordpress.com
9.12.07 20:54





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